Transaktional vertrackt – Out in the Open Juni 2026

13.07.2026 von Jörg Reichert (Code for Leipzig)

Open Data

Der Musterdatenkatalog für Kommunen hat bei GovData ein neues Zuhause gefunden.

Alle Verwaltungsmitarbeitenden sind aufgerufen, in diesem Fragebogen zu bewerten, wie wichtig das Thema Datenqualität in ihrer jeweiligen Behörde ist. Die Ergebnisse der Umfrage sollen in ein Impulspapier einfließen. Der so ermittelte Stellenwert, die organisatorische Verankerung, Maßnahmen zur Verbesserung, Dimensionen sowie den Reifegrad des Themas Datenqualität auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene bilden dann die Arbeitsgrundlage für das Kompetenzteam “Data Governance”. Dieses Team wurde aus Beteiligten verschiedener Bundesländer sowie des Bundes und der Kommunen im Rahmen des Schwerpunktthemas Datennutzung des IT-Planungsrats gerade aufgebaut.

Unter dem diesjährigen Motto “Climate Action” zeigt der Weltumwelttag die Bedeutung verlässlicher Informationen für Umwelt- und Klimaschutz. Umfangreiche offene und qualitätsgesicherte Daten ermöglichen, den Zustand der Umwelt zu erfassen, Entwicklungen durch fundierte Analysen zu beobachten, deren unterschiedliche Bewertungen und Prognosen besser nachvollziehen zu machen und durch politische sowie gesellschaftliche Entscheidungen wirksame Maßnahmen abzuleiten.

Tobias Fellinger zeigt Schritt für Schritt, wie man für einen beliebigen (Urlaubs-)Ort in der EU die jährlichen Wasserqualitätsdaten von Badegewässern abrufen, klassifizieren und schließlich als farbige Marker auf einer Karte anzeigen lassen kann.

FreeNauticalChart.net ist nach Selbstbeschreibung “ein Open-Source- und Open-Data-Projekt, das kostenlose Seekarten für Segler, Wasser- und Kartografie-Enthusiasten sowie Entwickler bereitstellt. Es hat zum Ziel, amtliche Kartendaten leicht zugänglich zu machen. Es basiert auf Daten, die als Open Data verfügbar sind.” Es gibt auch den deutlichen Hinweis, dass die Karten “nur zu Informations- und Referenzzwecken” dienen. “Sie sind nicht für die Navigation geeignet. Verwendung auf eigene Gefahr!” Doch wie im Beitrag dokumentiert, dass nachdem das Projekt Beachtung und Anerkennung in einschlägigen Magazinen wie “Yacht” und “Segeln” als auch in der Community fand, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) begann, Punktlotungen aus dem öffentlich zugänglichen Datenbestand zu entfernen, über restriktivere Servereinstellungen den Zugriff auf die Daten zu erschweren, sowie weitere Teile der Daten entfernt. Zudem wurde die Klausel “Die Verwendung der Daten zu Navigationszwecken ist nicht gestattet.” in die Nutzungsbedingungen neu aufgenommen. Nach Argumentation des BSH kann es keine Garantie für Daten geben, die Open-Data-Dienste aktuell zu halten, wäre zu großer Aufwand. Die Sachlage ist aber die, dass gesetzlich für die Freizeitschifffahrt die Papierkarte mit aktueller Berichtigung eh das einzig anerkannte Navigationsmittel bleibt, selbst lizensierte digitales Kartenprodukte sind somit ausgeschlossen, mal abgesehen davon, dass das BSH selbst für ihre über kommerziellen Lizenzen verkauften Daten ein Haftung für Qualität ausschließt. Länder wie die Niederlande und die USA zeigen allerdings, dass auch für die Navigation zugelassene offene Daten parallel zu kommerzielle (Verlag-)Angeboten existieren können. Es scheint nun nur noch eine Datennutzungsgesetz-(DNG)-/Geodatenzugangsgesetz-(GeoZG)-Klage gegen die zweckwidrige Nutzungsbeschränkung und faktische Unbenutzbarmachung der bereits offenen Daten helfen zu können. Denn die EU-Richtlinie 2019/1024 (Open-Data/PSI-Richtlinie) definiert Geodaten ausdrücklich als “hochwertige Datensätze”, die in maschinenlesbarer Form, gebührenfrei und unter offenen Standardlizenzen bereitgestellt werden sollen. Daten, die mit Steuermitteln erhoben wurde, sollten genauso wie es die Daten von BKG und DWD schon lange sind, lizenzfrei zur Verfügung stehen.

Das Kartenquartettspiel für Speichermedien ist bei einer internen Schulung der Stabsstelle Digitales Archiv im DLA-Marbach entstanden und steht nun als Office-Serienbrief OpenSource.

Das Humanitarian Data Exchange (HDX) ist eine offene Plattform zum Teilen humanitärer Daten (durch die man in den Data Grids browsen kann). Über eine neue API lassen sich die tabellarischen Daten nun auch programmatisch abrufen.

Statistical Data and Metadata eXchange (SDMX) ist eine Sammlung von Standards, wie man statistische Daten und ihre Metadaten normiert beschreiben sollte, um ihr Teilen/Austausch zwischen Organisationen zu erleichtern. Da LLMs nicht gut beim Auswerten quantitativer Daten ist, nimmt OpenSDMX einen Umweg, und erzeugt aus einer natürlichsprachigen Anfrage nur die passende Abfrage auf die strukturierten SDMX-Daten zu erzeugen und auszuführen, statt zu versuchen die Daten direkt auszuwerten.

Das ODIS Berlin hat einige MCP-Server entwickelt, um Berlins offene Daten noch besser zu finden, analysieren und visualisieren zu können. An Hand vieler Beispiele wird gezeigt, wie die verschiedene Tools / Skills des MCP-Servers auch in Kombination genutzt werden können, um komplexe Anfragen, die neben dem reinen Abrufen der Daten auch deren Visualisierung und aggregierte Bereitstellung beinhaltet, bedienen zu können. Aber die Erfahrungen zeigen auch, dass alles mit der Struktur und Qualität der bereitgestellten Datensätze steht und fällt. Und die Notwendigkeit, die erzeugten Ergebnisse mit fachlichen Verständnis sowie Hintergrund- und Kontextwissen kritisch zu prüfen, bleibt bestehen. Ein geeignetes Testframework für die MCP-Server aufzubauen stellte sich als die größte Herausforderung heraus.

Auf Open Parlament TV sind nun weitere 20.000 Bundestags-Redebeiträge aus den Jahren 2009-2013 durchsuchbar. Insgesamt existieren damit 100.000 Redebeiträge von 2009 bis heute.

Der Blog geoObserver feiert sowohl seinen 14. Geburtstag als auch seinen 3000 Beitrag. Dabei ist er immer seinen Grundüberzeugungen treu geblieben: Open Data sind “Daten, die nicht im Schrank verstauben” und “Daten gehören in die Hände derer, die sie brauchen”.

Open Source

Ein MDR-Beitrag spricht mit dem Physiker Andreas Tille aus Wernigerode über seine Motivation, seit 1998 ehrenamtlich am freien Linux-Betriebssystem Debian mitzuentwickeln und dafür aktuell täglich 3 bis 4 Stunden seiner Freizeit zu investieren.

Es gibt etwa 30.000 allgemeinbildenden Schulen (also Grund-, Haupt-, Real-, Gesamtschulen sowie Gymnasien u.a.) in Deutschland. Wie erfolgreiche Beispiele aus Lübeck und dem Landkreis Harz zeigen, geht die Einführung von Open Source für Schulsoftware meist auf die Initiative einzelner Lehrkräfte zurück. Dass dann auch langfristig bei solchen Lösungen geblieben wird, hängt aber am Ende auch von der Unterstützung von Stadtverwaltung, IT-Dienstleistern und generell der politischen Rückendeckung ab, denn Rechnerausgabe und Betrieb erfolgen immer mehr zentral, und wenn die lokalen Vorreiter und Kümmerer gehen, droht der Rückfall auf proprietäre Systeme, wenn Linux-Systeme nicht zentral angeboten werden. Dabei spricht der Vergleich der Lizenzkosten eine klare Sprache. Und mit Lösungen wie Puavo und Linux-Muster gibt es schon Linux speziell für Schulen mit zentraler Nutzerkontenverwaltung. Es gibt leider immer noch zu wenig Informationen darüber, an welchen Schulen wie Open Source schon eingesetzt wird, deswegen würde es helfen, wenn noch mehr Menschen diese laufende Umfrage ausfüllen.

Mit dem vom OKLab Flensburg entwickelten und betriebenen Portal kulturbytes (basierend auf der Open-Source-Event-Management-Plattform Uranus) lassen sich Veranstaltungen und Kulturorte pflegen. Die Stadt Glücksburg (Ostsee) (bzw. deren Kulturverwaltung) hat sich nun als erste Kommune dafür entschieden, diese Lösung offiziell zu nutzen.

Das Team vom Prototype Fund gewährt einen Blick hinter die Kulissen und stellt ihre Arbeit, speziell die der FOSS-Projektbetreuung vor.

In einem ersten Strategiepapier stellt die Document Foundation vor, wie sie LibreOffice zukunftsfähig machen möchte. Auf Basis von Qt 6 und WebAssembly wird einer Browser-Version entwickelt, im dem Zuge soll auch eine neue responsive Benutzeroberfläche entstehen. Für die ebenfalls geplanten mobile Versionen für Android und iOS hofft man möglichst viel aus der Codebasis der Desktopanwendung wiederverwenden zu können. Ein gemeinsames Bearbeitung von Dokumenten soll zunächst eine klassische Client-Server-Architektur ermöglichen, als langfristige Vision steht aber auch ein Peer-to-Peer-Ansatz im Raum. Außerdem arbeitet man an einem eigenen Dokumentenserver, der sich mit der Desktop-Anwendung integrieren und die Arbeit mit remote gehosteten Dokumenten vereinfachen soll. Perspektivisch ließe sich dann über ihn auch die Zusammenarbeit und Vermittlung zwischen Clients koordinieren.

Mit dem neuen Release “Hub 26 Spring” von Nextcloud ist unter anderem Euro-Office als zweite Office-Suite mit an Board. Mit der neuen Komponente “Nextcloud Governance” lassen sich regulatorischen Vorgaben, wie die Kennzeichnung sensibler Inhalte oder die Archivierung besser abbilden.

Mit GickUp kann man die Inhalte seiner Code-Repositories bei Github, Gitlab, Gitea u.a. backuppen. Denn neben dem eigentlich Code enthalten sie meist ja auch Ticketsystem, Wiki und weitere sicherungswürdige Konfigurationen. Ein so gezogenes Backup kann auch dazu verwendet werden, auf eine Plattform umzuziehen, z.B. von Github auf Gitlab.

Deklarativ allein mit HTML-Code Musik programmieren geht mit HyperBlam, die Beispiele zeigen, was möglich ist.

Open Hardware

Elektrogeräte müssen zukünftig (wieder) so beschaffen sein, dass sie reparierbar sind. Nicht tauschbare Akkus verstoßen damit gegen das gerade vom Bundestag beschlossene neue Gesetz, dass die EU-Richtlinie mit dem Recht auf Reparatur national umsetzt. Hersteller werden außerdem verpflichtet Reparaturen für ihre Produkte während ihrer üblichen Lebensdauer zu einem angemessenen Preis anzubieten.

Folgende Projekte hat die Jury für die Förderung in der dritten Runde des Prototype Fund Hardware im Rahmen des Projekts OpenEnergy (und dem Motto “Energiewende von unten”) ausgewählt: D0ry (eine offene Mess- und Steuerungskomponente für Bürgerenergieanlagen auf LoRa-Basis), Wind-MPPT (Windgeneratoren mit der richtig konfigurierten Schaltung basierend auf Libre Solar im optimalen Betriebspunkt betreiben) und dc-charging-station (Bausatz aus Open-Hardware-Komponenten für eine bidirektionale Ladesäule).

Open and Citizen Science

Der Mitschnitt von Heidi Seibolds TEDx Talk aus vergangenem November ist nun nachsehbar. Sie spricht darüber, wie die in OpenScience gelebten Werte wie Transparenz, Reproduzierbarkeit und Zusammenarbeit Wissenschaft und Forschung entscheidend voranbringen können (im Gegensatz zu den im geschlossenen Wissenschaftsbetrieb gesetzten Fehlanreizen wie Publish or perish, die leider Masse statt Klasse belohnen)

Bei GrippeWeb kann man einmal pro Woche melden, ob man selbst oder seine Kinder Atemwegserkrankung hatte. Dem RKI helfen diese Beobachtungen, das Infektionsgeschehen und sich daraus ergebenden Trends früh abschätzen zu können.

Im Citizen-Science-Projekt Microbelix kann man Forscher:innen des Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) helfen, die Biodiversität der Bodenbakterien für die Wirkstoffforschung besser zu erschließen.

Es ist ein deutschsprachiges Handbuch zu Citizen Science erschienen, dass an Hand zahlreicher Fallbeispiele die “Gelingungsfaktoren” erklärt, wie man Bürgerinnen und Bürger richtig in die Forschung einbindet.

Verwaltungsdigitalisierung

Was nützen all die Vorgaben und Empfehlungen, wenn es keine Verbindlichkeit gibt. Die meisten Kommunen sind unterfinanziert und Behördenleistungen zu digitalisieren wird leider immer noch als am ehesten verzichtbar angesehen. Und so lange die Beschlüsse vom IT-Planungsrat nur von “anstreben” sprechen, aber keine Berichtspflichten, keine Audits und schließlich keine Sanktionen bei Nicht- oder Schlechtumsetzung vorsehen, fehlt der nötige Druck für z.B. die Umsetzung einheitlicher Daten- und Schnittstellenstandards im Sinne der Zielarchitektur auch durchsetzen zu können. Dazu bräuchte es auch Organisationsstrukturen, die klare Verantwortlichkeiten definieren.

Beim Deutschland-Stack soll es diese Verbindlichkeit nun geben, zu mindestens ein bisschen. Für eine überschaubare Anzahl von Basiskomponenten haben die 16 Bundesländer eine “verbindliche Anbindung und Flächendeckung” zugesagt, unter dem Vorbehalt, dass der Bund den Großteil der Kosten für Entwicklung und Betrieb dieser Komponenten übernimmt.

Der eGovernment-Podcast hat die Beschlüsse der 50. Sitzung des IT-Planungsrat auch in seiner neusten Podcast-Folge thematisiert.

Alles nur auf die Technik schieben zu wollen, greift oftmals zu kurz: wenn die Prozesse fehlen, die steuern, was z.B. mit den Nachrichten passiert, die an ein E-Mail-Postfach geschickt worden sind, wenn die Person dahinter nicht mehr für die Verwaltung arbeitet. Oder wenn die gesamte IT ausfällt, weil jemand es für eine gute Idee hielt, für alles den gleichen externen Anbieter zu nutzen. Von außen sieht beides wie Technikversagen aus und wird auch so medial dargestellt, doch die Gründe liegen tiefer.

Wollen ist leider nicht gleich Können: die digitale Brieftasche Eudi-Wallet soll als Vorzeigeprojekt der Bundesregierung herhalten, doch hinter dem breitbeinigen öffentlichen Auftreten offenbaren sich chaotisches Projektmanagement, fragwürdige technische Entscheidungen, Zeitverzug und sich abzeichnender mangelhafter Umsetzung, vor allem was Sicherheit angeht. Ungünstigerweise hat das eIDAS Committee auf EU-Ebene jüngst die Entscheidung getroffen, dass auch biometrische Passbilder mit in die Wallet sollen, auch wenn man als Bürger auch die Möglichkeit zum Opt-Out bekommt. Dafür hat man das Feature “frei wählbare Pseudonyme” erstmal auf Eis gelegt.

We tried to run (bzw. jump), before we could walk (auf deutsch: “den zweiten Schritt vor dem ersten machen”): bei der ebenfalls von SPRIN-D, der Agentur für Sprunginnovation, verantworteten SPARK-Plattform, sollen mit Beschäftigungstherapie und Beteiligungs-/Innovationstheater mit KI-Komponenten-Entwickeln in einem 2010er-Gedächtnis-Hackathon (das “preisgekrönt” aus der Ankündigung bezieht sich übrigens auf einen in Dubai gewonnenen Preis für von PwC und Capgemini gezimmerter agentischer KI), ganz tolle Dinge durch die Community entstehen. Vor der Auskunft, wie viel die SPARK-Plattform denn nun wirklich gekostet hat, versucht man sich allerdings mit Manövern wie, es gebe gar keine “Plattform” namens “SPARK”, die Anfrage wäre zu ungenau, weiterhin zu drücken.

Digitale Souveränität

Hat man für die Bezifferung der Kosten für Produkte und Dienstleistungen von Microsoft bisher immer noch die Ausgaben der Bundes-Ministerien und ihren direkt nachgeordneten Behörden betrachtet, wird für eine umfassendere Datengrundlage nun auch der Handelspartner-Rahmenvertrag der Zentralstelle IT-Beschaffung (ZIB) des Beschaffungsamtes einbezogen. Damit ergibt sich für 2025 ein Betrag von 481 Millionen Euro (für 2022 bei gleicher Berechnung: 211 Millionen Euro). Dass man sich entscheidend von dieser Abhängigkeit (und den massiven Kosten) löst, ist leider nicht in Sicht: gerade mal 8475 Lizenzen der Alternative OpenDesk werden produktiv in der Bundesverwaltung eingesetzt, der Großteil (7904) entfällt dabei allein auf das Agora-Projekt vom Robert-Koch-Institut (RKI), das Digitalministerium nutzt lächerliche 571 Lizenzen.

Auf dem Kuketz-Blog hat Matthias Eberl alternative Musik-Streaming/Kauf-Plattformen nicht nur auf Funktionsumfang und Preis sondern eben auch auf Nicht-Tracking und Tantiemen-Fairness gegenüber den Rechteinhabern untersucht.

“Stop Killing The Internet” ist eine neue weltweite Bewegung, die sich für das Weiterbestehen eines offenen Internets einsetzt, welches aber durch Maßnahmen wie Altersverifikation, Identifikationspflicht und Endgeräteüberwachung von Staaten und Firmen schon jetzt bedroht ist. Die Schweizer Digitale Gesellschaft hat sich bereits angeschlossen und in diesem Thread ergänzend ihre Forderungen aufgeschrieben.

Energie

Die gemeinnützige niederländische Organisation Open Energy Transition (OET) sieht Open Source als strategischen Faktor für die europäische Infrastruktur, gerade im Energiebereich. Deswegen sollten Energiemodell offen zugänglich sein, so dass an ihnen kollaborativ an ihnen gearbeitet werden kann. Sie selbst gehen mit guten Beispiel voran.

2025 startet die Gemeinde Bakum (Gemeinde im Landkreis Vechta in Niedersachsen) mit Forum EnShare ein Pilotprojekt mit Netzbetreibern und lokaler Bürgerenergiegenossenschaft, um Energy Sharing, also gemeinschaftliche Nutzung von lokal erzeugtem Strom, in der Praxis zu erproben. Seit 1. Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland auch gesetzlich legalisiert. Die in § 42c EnWG geregelte Umsetzung könnte dennoch weiter vereinfacht werden.

Christof Korth erklärt, wie dynamischen Stromtarife funktionieren. Im Gegensatz zu klassischen Stromtarife gibt es keinen festen Arbeitspreis, sondern ändert sich dynamisch im Tagesverlauf in Abhängigkeit von der Strombörse. So werden Anreize geschaffen, Verbräuche in Zeiten zu verlegen, in denen viel erneuerbarer, günstiger Strom vorhanden ist.

Wie die Energie-Charts belegen, gab es bei Solarstrom im meteorologischen Frühling 2026 in allen europäischen Länder neue Rekorde.

Mobilität

DigiRad ist ein neues OpenSource-QGIS-Plugin, das verspricht, mit ihm Radnetze einfacher planen zu können.

Auf den Grazer Linuxtagen 2026 haben Peter Pötzi und Michael Ehrenreich in ihrem Vortrag gezeigt, wie man mit einem ESP32 Ampeln, Straßenbahnen und Autos tracken (sofern, wie in Graz, das Cooperative Intelligent Transport System (C-ITS) unterstützt wird) und sowohl auf einer Live-Karten visualisieren kann, als auch die Daten (z.B. Ampelschaltungen, Wartezeiten an Fußgängerübergängen) historisch in einem Grafana-Dashboard auswerten kann. Das Projekt sucht weitere Freiwillige, die solche C-ITS-Daten beisteuern.

In Frankfurt am Main registrierten bereits 10 Linienbusse dank entsprechender Kamera-Ausstattung hunderte Falschparker en passant. Weitere Busse sollen nun mit der Technik ausgestattet werden.

Wem die offiziellen Verspätungsgründe der Bahn nicht kreativ genug sind, dem wird durch Bahnhoroskop geholfen.

Klima

Hitze

Auf zwei Drittel der Fläche von Europa wurden seit 2012 schwere Dürrejahre verzeichnet, wie eine Daten-Story von CORRECTIV.Europe erstmals zeigt.

Hitzeinseln und Hitze-Plätze der eigenen Stadt kann man auf dieser Greenpeace-Karte helfen zu dokumentieren.

Eine Analyse des Beratungsinstituts Prognos hat errechnet, dass ein einzelner Hitzetag der deutschen Wirtschaft rund 431 Millionen Euro kostet, 97 Prozent davon durch sinkende Produktivität.

Neben übergreifenden Übersichten wie Wo kühl? und Kühle-Orte.de, von denen sich auf die konkrete Stadt, wie z.B. Dresden, navigieren lässt, bieten Städte wie beispielsweise Wien, Stuttgart und Leipzig auch jeweils selbst Informationen zu kühle Orte an, für andere Städte wie Lübeck fehlen solche Angebote noch.

Bäume

Der Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe dokumentiert den massiven Baum- und Grünflächenverlust deutscher Städte. So sind zwischen 2018 bis 2025 in 195 größten Städten 900.000 Bäume verloren gegangen, gerade die Leistung (Schatten, CO2-Senke) alter Bäume ist nicht so schnell zu ersetzen. Auch der Hitzebetroffenheitsindex (ermittelt aus Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte) verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr.

Neue Dimensionen erreicht auch der Befall der Bäume mit Eichenprozessionsspinnern, vor allem in Berliner Bezirken. Deren Monitoring zwischen 2020 und 2024 hat schon eine Verdoppelung gemessen. Unverständlich daher, dass die CDU Charlottenburg sich die Kosten für ihre Bekämpfung dieses Jahr gespart hat, was sich nun rächt. Dabei sind die Bezirke weiterhin jeweils allein zuständig, statt sich unter einander zu koordinieren und Ressourcen zu teilen, statt um sie zu konkurrieren. Auf die am stärksten betroffenen Bezirken kommen Kosten bis zu 500.000 Euro zu, Geld, das vom Budget für die Baumpflege abgeht.

Anpassung

München plant die Ludwigstraße inklusive Odeonsplatz radikal umzugestalten. Die derzeit sechs Spuren sollen zu Gunsten von Radschnellwege und Promenade auf zwei reduziert werden. Dies soll die Hitze-begünstigende Steinwüste zurückdrängen.

Bremen beteiligt sich dieses Jahr am bundesweiten Wettbewerb “Abpflastern” und fördert somit Menschen, die Flächen entsiegeln und anschließend begrünen. Schon mehrere Studien haben zudem belegt, dass grüne Infrastrukturen in Städten gegen Depression helfen.

Das Stadtklimadashboard monitort die Kernindikatoren im Handlungsfeld Stadt- und Siedlungsentwicklung, die im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) identifiziert worden sind. So lassen darüber beispielsweise die Erreichbarkeit von Grünflächen und der Anteil versiegelter Flächen ablesen.

Konservative versuchen gerne Umweltschutz und Wirtschaft gegeneinander auszuspielen. Dabei arbeiten, wie die Zahlen aus dem Greentech Atlas 2025 belegen, mit inzwischen 3,4 Millionen Beschäftigten in der deutschen GreenTech-Branche 3-mal so viele wie in der Autoindustrie. Auch die Exportleistung von 132 Mrd. Euro muss sich nicht verstecken.

Codecarbon ist ein Tool, mit dem man die Emissionen abschätzen kann, die der eigenen Code verursacht.

Meeresoberflächentemperaturen

Wie stark die Meeresoberflächentemperaturen in Europa dieses Jahr von den Normalwerten abweichen illustriert beispielhaft diese Copernicus-Karte für den 29. Juni. Die größte Abweichung mit +6°C über Normal wurde dabei im westlichen Mittelmeer gemessen.

Aktuelle Satellitenaufnahmen dokumentieren den Beginn des Klimaphänomens El Niño. Dass die Temperaturen in den tieferen Schichten des tropischen Pazifiks mehr als 6°C über dem Durchschnitt liegen deuten auf ein besonders starken Verlauf hin.

USA

Derweil zerstört die US-Regierung mit dem Abbau von 900 Tiefsee-Messinstrumente das weltweit fortschrittlichste Netzwerk zur Ozeanüberwachung. Die Erfassung wertvoller Daten wird der vermeintlichen Ersparnis von 48 Millionen Dollar geopfert.

Das US-Justizministerium hat ein Gericht angewiesen, die Klage von Umweltorganisationen gegen xAI wegen Umweltverschmutzung durch Gasturbinen zu verwerfen, da sonst, bei Erfolg der Klage, angeblich die nationale Sicherheit bedroht wäre, wenn die KI-Rechenzentrum nicht den benötigten Strom bekämen.

Die Klimawissenschaftler, die einst für das staatliche climate.gov gearbeitet haben, durch DOGE aber letztes Jahr gefeuert worden sind, haben nun einfach ihr eigenes Portal für Klimaforschung gestartet: climate.us.

Kultur

Wikimedia Commons bietet mit dem Tool Structured Data on Commons die Möglichkeit, Bilder / Fotos mit semantischen Annotation anzureichern. So lassen sich beispielsweise Stadtansichten (auch Stadtpläne) und die in ihnen sichtbaren Elemente in Linked-Open-Data verwandeln. In Kombinationen mit älteren Aufnahmen könnten so Veränderungen im historischen Stadtraum strukturiert auswertbar werden.

Wie können in Kunstgeschichte und Museologie neben den üblichen Verdächtigen wie normierte Schlagworte, Geo-Koordinaten und Quellen, auch Kommentare, Kritiken, alternative Datenmodellierweisen und zusätzliche Fragestellungen ebenfalls als Linked Open Data abgelegt werden, so dass diese in einem Wissensgraph im Datenraum auswertbar sind (und somit unterschiedliche Sichtweisen, Kategorisierungen und Bewertungen), diskutiert Lukas Fuchsgruber in seinem Vortrag.

Auf einer neuen Plattform sind die Metadaten von rund 30.000 Archivalien aus 112 Beständen des Potsdamer Stadtarchivs ab sofort online durchsuchbar. Die Bestände selbst allerdings nicht, da diese teils wegen Aufwand, teils wegen rechtlichen Bedenken (noch) nicht digitalisiert sind. Mit dem Metadaten kann man aber wenigstens seinen physischen Besuch im Archiv vorbereiten.

Eine Scrollytelling-Seite dokumentiert einige der Geschichten, die hinter den zahlreichen Straßen-(Rück-)Umbenennungen in Berlin stecken.

Der Landesverein für Heimatpflege in München hat eigens ein Sprachwissenschaftler als KI-Dialekttrainer angestellt, um in einem 3 Jahre laufenden Projekt die verschiedenen Varianten des bayrischen Dialekts zu erfassen. Die Hoffnung ist, dass die Sichtbarkeit und Wertschätzung regionaler Sprachformen gestärkt wird, wenn KIs besser Dialekte erkennen, unterscheiden und verarbeiten lernen.

Mehr als 60.000 Liebesbriefe wurden im Citizen-Science-Projekts “Gruß & Kuss” seit 1997 auch mit Hilfe von Freiwilligen gesammelt und digitalisiert, worüber nun auch der Guardian berichtet.

Finanzen

Mit dem bundesweiten Aktionstag “Kommunen am Limit” am 22. Juni 2026 fordern Städte, Landkreise und Gemeinden von Bund und Länder eine Lösung für die katastrophale kommunale Finanzlage zu finden. Denn sie sind es, die die gesetzliche Pflichtaufgaben für Kommunen festlegen, ihre dauerhaft ausreichende Finanzierung aber nicht absichern. So bleibt immer weniger Geld für “freiwillige Aufgaben” und den laufenden Verwaltungsbetrieb.

Pflegeplätze sind einer dieser Pflichtaufgaben und deren Kosten würden mit der geplanten Pflegereform um 1 Mrd. Euro pro Jahr weiter steigen, welche zum Großteil von der Sozialhilfe über die Kommunen finanziert werden müssten, um die Lücke zwischen finanzielle Eigenanteil der Betroffenen und den tatsächlichen Kosten pro Platz zu schließen.

Die von Greenpeace e.V. beauftragte Studie “Wege aus der kommunalen Finanznot” zeigt an zwei Varianten, wie die Einnahmen aus einer auf Bundeslandebene einzuführende Vermögenssteuer die kommunalen Finanzierungsdefizite schließen kann. Mit dem nötigen politischen Willen könnten entsprechende Gesetzesänderungen in den jeweiligen Landtagen mit einfacher Mehrheit beschlossen werden.

Auch das Gratis E-Book “Faire Steuern”, entstanden in einer Kooperation von Perspective Daily und Fun Facts, sieht in einer faire Vermögen- und Erbschaftsteuer für die Reichsten, den Schlüssel, um endlich etwas gegen marode Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser tun zu können.

Wie sich Finanzinvestoren inzwischen in die Infrastruktur unserer alltäglichen Daseinsversorgung einkaufen, thematisiert Finanzwende. Sie kaufen Wohnungen, Pflegeheime, Arztpraxen und Agrarbetriebe, senken danach Kosten / Qualität (z.B. eingesparte Pflegekräfte, unterlassene Instandhaltungen) und/oder erhöhen Preise / Gebühren (z.B. Mieten, Pflegeplatzkosten).

Auch die Medienberichterstattung zur Aktienrente sollte kritischer sein und stärker hinterfragen, ob die Diagnose überhaupt stimmt, wo die Gelder investiert werden und wie sicher die Anlageformen sind.

Das Europäische Parlament hat für die Einführung des Digitalen Euros gestimmt, die wird aber nicht vor 2029 erfolgen. Die Ausgestaltung von Haltelimits, Gebühren und Offline-Zahlungen werden noch in weiteren Verhandlungen festgelegt. Das Bargeld soll aber als gleichwertiges Bezahlungsmittel erhalten bleiben (auch als Rückfalloption bei einem Ausfall der Stromversorgung) und dafür Verkäufern das Aufstellen von “No Cash”-Schilder verboten werden.

Transparenz

20 Jahre Informationsfreiheitsgesetz (IFG)

Beim 8. Symposium zur Informationsfreiheit am 3. Juni wurde auch das 20-jährige Bestehen des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) gefeiert. Die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider forderte in ihrer Eröffnungsrede die Weiterentwicklung des IFG zu einem Transparenzgesetz. Noch besser wäre aber eine Verankerung im Grundgesetz. Den jüngsten Beschränkungen der Transparenzpflichten in einigen Bundesländern stellte sich klar entgegen: “Als stabile liberale Demokratie muss sich Deutschland dem Trend zur Falsch- und Desinformation sowie zur Beschränkung von Transparenz entschieden entgegenstellen und die Chancen ausschöpfen, die das IFG zur Stärkung des Vertrauens der Bürgerinnen und Bürger in den Staat gerade in unruhigen Zeiten mit sich bringt.”

In einer repräsentativen Umfrage mit 2.500 Teilnehmenden (Ergebnisse leider nicht als 5-Sterne-Open-Data veröffentlicht) bewerteten allerdings nur 35 Prozent die Arbeit der Behörden tatsächlich als eher transparent und nachvollziehbar.

Die derzeitige Bundesregierung möchte offensichtlich auch nichts an diesem Eindruck ändern, wie die Antwort auf eine Kleine Anfrage zeigt.

Ob der von der Unions-Fraktion vorgeschlagene und am 25. Juni gewählte (ohne vorherige öffentliche Ausschreibung) neue Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Prof. Dr. Moritz Hennemann, der sein Amt am 1. Oktober antreten wird, so progressiv wie sein wird, wie seine Vorgängerin, wird bei Netzpolitik mit Blick auf seine bisherigen Publikationen. Expertise zum Thema Informationsfreiheit findet sich in diesen nicht, dafür seine Sicht auf Daten als ökonomisches Gut und Grundlage für Innovation und Geschäftsmodelle.

Berliner IFG

Erste Erfahrungen mit dem geänderten Berliner Informationsfreiheitsgesetz zeigen, dass Behörden, wie im Vorfeld befürchtet, vom neuen Paragraph 2 Absatz 3 rege Gebrauch machen, um Anfragen mit Verweis auf kritische Infrastruktur abzulehnen. FragDenStaat einige negativ Highlights der letzten Monate aufgelistet.

Nur konsequent, dass Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner stellvertretend für den Berliner Senat auf der Netzwerk Recherche Jahreskonferenz die “Verschlossene Auster” als Negativpreis für den Informationsblockierer des Jahres verliehen bekommen hat.

Österreich IFG

Markus Hametner, freier Datenjournalist und Vorstandsmitglied des Forum Informationsfreiheit in Österreich, berichtete bereits am 6. Mai im Rahmen der IFG Days in Stuttgart, welche Erfahrungen man im ersten halben Jahr nach Einführung des Österreichische Informationsfreiheitsgesetz gemacht hat.

Im Podcast “mit Milch und Zucker” kam zudem Erwin Ernst Steinhammer vom Forum Informationsfreiheit zum gleichen Thema zu Wort.

Neue Dokumente

In der neuen Klimaklagen-Datenbank sind derzeit 221 Verfahren seit 2006 zentral erfasst und frei durchsuchbar.

Mit “Nachgeliefert” lassen sich alle Regierungspressekonferenzen seit 2014 systematisch durchsuchen, Wortnennungen vergleichen, Anfragen nach IFG oder Presserecht stellen. Sie zeigen, dass Demonstrationen (z.B. beim Klima) beim Agenda-Setting helfen.

Der Deutschen Nationalbibliothek wurde von der Aktivistin Martha Root der bislang vergriffene Lyrikband “Kopfpilz”, Erstlingswerk des jetzigen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, auf den er wohl nicht mehr so stolz ist, sowohl physisch als auch digital übergeben. Zum Hintergrund: der Minister hatte den Erweiterungsbau der Bibliothek in Leipzig im März mit der Begründung gestoppt, dass die Sammlung gedruckter Werke nicht mehr zeitgemäß wäre, dafür gäbe es ja Digitalisierung.

Politik

Über die von abgeordnetenwatch durch IFG angeforderten internen Kommunikation zwischen Landwirtschaftsministerium und Arbeitsministerium wird ersichtlich, wie in einem Gesetzestext aus einem “nicht” ein “nicht automatisch”, wodurch nun den (meist ausländischen) Saisonarbeiter:innen die Miete vom Lohn abgezogen werden kann, was bisher verboten war. Eine weitere Änderung erlaubt jetzt zudem, das Angestellten 90 Tage statt bisher 70 Tage auf dem Feld beschäftigt werden dürfen, ohne dabei gesetzlich versichert werden zu müssen. Sie sind damit im Fall von Krankheit schlechter abgesichert.

Die Europäische Bürgerbeauftragte Teresa Anjinho hat die EU-Kommission offiziell gerügt, da deren Präsidentin von der Leyen und weitere Mitglieder systematisch Signal-Nachrichten automatisch löschen lassen und mit ihnen vermutlich auch politisch brisante Absprachen verschwinden.

Gundel, Gustav & Klaas

Nach Recherchen von CORRECTIV ist mit Nils Hesse ein (ehemaliger) freier Mitarbeiter der konservativen Denkfabrik Republik 21 (R21) als Leiter des Referats für “Reden und strategische Kommunikation” im Bundeswirtschaftsministerium berufen worden. R21 unterstellte anderen NGOs parteipolitisch zu agieren, sieht sich aber inzwischen selbst dem Vorwurf ausgesetzt. (Anna Roth regt trotzdem an, dass es auch mehr Recherchen zur Rolle privater Stiftungen, die zivilgesellschaftliche NGOs fördern, geben sollen, vor allem wie sie auch deren Themensetzung beeinflussen.)

In einer weiteren Recherche widmet sich CORRECTIV den Geschäftsverbindungen des ehemaligen Verteidigungsminister Guttenberg, zu denen Trump-Vertraute, MAGA-Unterstützer und eben Peter Thiel gehören.

Recherchen von t-online (basierend auf einem Datenleck) belegen, dass Jens Spahn Treffen des von Peter Thiel gegründeten Dialog-Forum auf Einladung besucht hat. Spahn hat inzwischen die Teilnahme an 5 Treffen zwischen 2018 und 2024 bestätigt und auch verteidigt.

Gentechnik

Mit der Reform des EU-Gentechnikrechts müssen (dank erfolgreichem Lobbyieren der Industrie) Produkte, bei denen neue Gentechnik der “ersten Kategorie” (NGT1) zum Einsatz kam, ab 2028 nicht mehr als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Dabei sprachen sich 92% der Befragten in einer von foodwatch in 2023 beauftragten Umfrage für eine Kennzeichnung solcher Produkte aus, damit sie die Wahlfreiheit behalten. Die Reform würde nun auch das europäische Vorsorgeprinzip gegen das US-Modell ersetzen, bei dem ein Betroffener selbst nachweisen muss, das sein Schaden durch Genveränderungen seines Essens verursacht worden ist (von dem er ja nicht mehr weiß, ob es verändert wurde). Zudem müssen neue Sorten durch die Gesetzesänderung nicht mehr aufwändig vor ihrer Zulassung getestet werden, auch die Dokumentationspflichten, z.B. auf welchen Flächen welche Sorten verwendet werden, entfallen. Somit ist nicht mehr nachvollziehbar, ob durch Wind genveränderte Samen auf einem benachbarten Bio-Acker landen könnten. Die EU erlaubt künftig Patente auch auf die neuen Sorten und den Technologien, mit denen sie gezüchtet worden sind. Die Daten dazu sollen in einer öffentlichen Datenbank gepflegt werden.

AfD

Das AfD-Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte steht nun online und enthält 2.500 Belege (unter anderem aus Social-Media- und Messenger-Kanälen), dass die AfD verfassungswidrig ist. Die Belege können auch in der Datenbank von FragDenStaat transparent durchsucht und wenn passend auf einer Karte visualisiert werden. Auf einige der Belege wird hier eingegangen.

Demokratie

Fallen Begegnungsorte (wie z.B. die lokale Kneipe) weg, an denen zuvor Menschen aufeinander getroffen sind, die sonst wenig miteinander zu tun hätten, ist das schlecht für die Demokratie. So kann man sich nicht mehr über die Alltagsprobleme des jeweils anderen austauschen und so Lernen Verständnis für die Lebenssituation für sein Gegenüber aufzubringen, so fremd sie auch für einen selbst erscheinen mag.

Im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklemburg-Vorpommern organisieren einige Initiativen genau solche Austauschmöglichkeiten, wie z.B. die DemokRADtour, deren Radtour durch viele Orte der beiden Bundesländer führt. Weitere Termine für Sachsen-Anhalt findet man in diesem Veranstaltungskalender](https://sachsenanhalt-weltoffen.de/#kalender) von Sachsen-Anhalt Weltoffen.

In der Schweiz hat das dortige Parlament einer Revision des Bundesgesetzes über die politischen Rechte (BPR) zugestimmt, welches nun den Versuchsbetrieb für digitale Unterschriftensammlung (so genanntes E-Collecting ) bei Volksinitiativen und Referenden ermöglicht. Die Digitale Gesellschaft Schweiz und die Stiftung für direkte Demokratie begrüßen dies, wenn bei der technischen Umsetzung die Prinzipien Datensparsamkeit, Dezentralität und Quelloffenheit eingehalten werden.

Überwachung

Datenhändler

Wenn die Polizei auf Daten zugreift, die die Werbeindustrie gesammelt hat, dann wächst zusammen, was definitiv nicht zusammengehört, weil einzeln schon schlimm: Überwachungskapitalismus und Überwachungsstaat. Was schon bei ICE in den USA und unter Victor Orban in Ungarn praktiziert wurde, kann nun durch IFG-Anfrage für mindestens Mecklemburg-Vorpommern und Brandenburg nachgewiesen werden. Dabei bestätigen Rechtswissenschaftler, dass der Ankauf solcher Standortdaten bei Datenhändler nach aktuellem Stand rechtswidrig ist. Denn in der EU ist der Standortdaten-Verkauf ohne explizite Nutzenden-Einwilligung verboten. Zur Vertiefung sei der Talk zu den Databroker-Files von der diesjährigen re:publica empfohlen.

Bundesländer

Trotz zahlreichen Protest haben CDU, SPD und BSW in Sachsen die Polizeirechtsnovelle verabschiedet. Das Gesetz tritt bereits am 1. Juli 2026 in Kraft. Die Novelle sieht eine Datenanalyse-Plattform mit ähnlichem Funktionsumfang wie Palantir Gotham vor, KI-gestützte Videoüberwachung (inklusive Verhaltenserkennung und biometrische Fernidentifizierung), Gesichter- und Stimmabgeleich mit Daten aus dem im Internet, Staatstrojaner für Quellen-TKÜ und verdeckte Kennzeichenscanner vor. Zu mindestens wurde die eigentlich geplante Einführung von Tasern noch zurückgenommen. Mit Blick auf die Statistik aus anderen Bundesländern, die den Tasereinsatz erlauben, wohl eine gute Entscheidung, denn aus der geht hervor, dass Taser in 57% der Fälle gegen Unbewaffnete eingesetzt worden sind.

Auch in Thüringen wird an einem neuen Polizeigesetz geschrieben, das ähnliche Befugnisse wie im sächsischen Nachbarbundesland vorsieht. Neben der Stellungnahme von Digitalcourage e.V., die die Grundrechte gefährdet sieht, kämpft auch das Bündnis Thüringer Polizeiaufgabengesetz stoppen (ThürPAG stoppen!) gegen Autoritarismus und Massenüberwachung.

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte zusammen mit dem Chaos Computer Clubs (CCC) hatte bereits letztes Jahr Verfassungsbeschwerde gegen die bayerische Regierung eingereicht, weil diese aus ihrer Sicht, nicht ausreichend sicherstellt (sicherstellen kann), dass beim Data Mining mit ihrem Tool VeRA (dem Palantir Gotham zu Grunde liegt) keine Daten von unbeteiligten Personen einbezogen werden, und damit Transparenz, Zweckbindung und Grundrechtsschutz nicht mehr gewährleisten.

Auch in der Schweiz ist Palentir gerade nicht gut gelitten, ihr Versuch, die Veröffentlichung einer Gegendarstellung von ihnen im Schweizer Magazin Republik rechtlich zu erzwingen, die der Darstellung, dass die Schweizer Regierung wiederholt ihre Dienste abgelehnt, widersprechen wollte, wurde vom Züricher Internationalen Handelsgericht in 22 von 23 Punkten abgelehnt.

Entfremdete Intelligenz

Fremde Federn

Von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt erschien bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im August 2025 ein Gastbeitrag über eine Social-Media-Sperre für Kinder und Jugendliche. Inzwischen wurden im Text mehrere referenzierte Zitate von Wissenschaftlern gefunden, deren Ursprung nicht nachvollzogen werden kann. Mutmaßlich wurden sie von einer (generativen) KI herhalluziniert. Es wurden zudem KI-Detektoren auf diesen Text und andere Reden & Texten von Voigt angesetzt und dieser schlug zehn mal häufiger an, als bei Beiträgen von anderen Poltikern. In Konsequenz hat die FAZ den Beitrag von Voigt online depubliziert (vulgo gelöscht). Er ist Februar wurde Mario Voigt um seinen Doktortitel erleichtert worden, nachdem die Technische Universität Chemnitz nach einjähriger Prüfung systematische Verstöße gegen wissenschaftliches Arbeiten und mangelnde Kennzeichnung von Quellen nachgewiesen hat.

Inzwischen stehen auch zwei Gastbeiträge von Ministerin Reiche unter KI-Verdacht, beim ersten soll das erste Drittel vollständig KI-generiert sein, beim zweiten schätzungsweise 70% des Inhalts.

Auch Digitalminister Karsten Wildberger (bzw. sein Ministerium) hat offen zugeben, für Texte und Reden KI zu nutzen, auch wenn er das den Zeitungen und Online-Portalen nicht transparent gemacht hat, angeblich, weil die KI nur assistierend analog zur Funktionalität eines Schreibprogramms zum Einsatz gekommen ist.

Und doch macht es eben einen Unterschied, ob man sich nur bei einzelnen Formulierungen helfen lässt oder ganze Textpassagen generieren lässt und dann noch so faul ist, den so entstandenen Texte nicht noch einmal zu reviewen und die Zitatquellen zu prüfen, wie im Fall von Voigt.

Beim Tagesspiegel hatte der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff sich ganze Texte von einer KI schreiben lassen und diese unverändert als eigene Leistung veröffentlicht. Nach Aufdeckung dieses Umstands “pausiert” der Tagesspiegel die Zusammenarbeit mir ihm. Wenn Inhalte zweitrangig werden, es nur noch um “Content-Schrubberei” geht, also immer mehr Texte für mehr Abos, senkt das auch Hemmungen, zu betrügen und wirft grundsätzliche Fragen zum Einsatz von KI im Journalismus auf. Auch zu den Qualitätssicherungsprozessen, wenn selbst der Human-in-the-Loop fehlt. Erschreckend ist eher die Ansicht mancher Medienschaffende, die glauben, dass KI die “weltanschaulich neutraleren” Inhalte fabrizieren würden. Als wenn die KI-Trainingsdaten keinen Bias enthalten würden. Und Elon Musks Grok beweist, dass manche bei der Neutralität auch noch “nachhelfen”.

Das folgende Comic fasst die beiden Seiten prägnant zusammen: “AI turns this single bullet point into a long email I can pretend I wrote” und “AI makes a single bullet point out of this long email I can pretend I read”. Es geht nicht mehr um Verstehen (werden) wollen, sondern das Vortäuschen von Kompetenz bzw. dem Erfüllen von Bewertungsschemas, um sich mit minimalen Aufwand bestehende Vorteile zu erhalten oder neue zu verschaffen. Wenn man ehrlich wäre, könnte man sich einfach nur die reinen KI-Prompts zuschicken (würde KI-Rechenleistung sparen), und nur wenn einer der Seiten doch der Inhalt interessieren sollte, kann sie den Prompt auch ausführen. Allerdings könnte man dann nicht mehr die Privilegien gegenüber Berufsgruppen wie Bauarbeitern und Pflegekräfte rechtfertigen, die noch nicht physische Straßen mit KI generieren oder Alte mit KI waschen können (wobei humanoide Roboter auch schon in Entwicklung sind).

Für Johannes Franzen macht KI-Paranoia, also den Umstand, dass man nicht mehr zwischen Original und Nachahmung unterscheiden kann und tendenziell bei allem die Authentizität angezweifelt wird, Menschen zynisch und gleichgültig und lässt Vertrauen weiter erodieren.

In Bayern soll das Hochschulinnovationsgesetz geändert werden, um den Einsatz von ChatGPT und vergleichbaren Tools bei Hochschul-Prüfungen generell zu erlauben. Ihre Verwendung soll aber an eine Kennzeichnungspflicht gebunden sein. Es wird aber langfristig neue Prüfungsformate geben müssen, um die tatsächliche Leistung der Studierenden messen zu können, wahrscheinlich mehr mündliche Prüfungen, damit aber auch mehr Aufwand für die Prüfenden.

Wahrscheinlich werden analog zum Aufkommen der Fotografie, durch die das realitätsgetreue Malen zwar an Bedeutung verloren hat, dadurch aber neue (surrealistische) Formen in der Malerei entstanden sind, auch durch die KI bestimmte Fähigkeiten an Relevanz verlieren (Rechtschreibung), dafür andere Fähigkeiten neu oder stärker in den Fokus (Textverständnis) rücken. Und bei manch alten Fähigkeiten wird sich am Ende doch herausstellt, dass sie weiter wichtig sind (z.B. Lernen durch Schreiben). In Norwegen hat man genau deswegen KI aus den Grundschulen verbannt, um den Negativtrend bei den nationalen Leistungstests zu stoppen. Das 2024 durchgesetzte Smartphone-Verbot an norwegischen Schulen hat zu mindestens schon nachweislich zu Verbesserungen geführt.

Grenzen

Der Stroop-Test prüft, wie gut man als Mensch in der Lage ist, eine automatische Reaktion zu unterdrücken. Dazu bekommen sie der Reihe nach Wörter gezeigt, bei den Wortlaut und Schriftfarbe voneinander abweichen, sie aber die richtige Schriftfarbe benennen müssen, was die meisten, wenn auch mit Zögern, schaffen. Anders als die verbreiteten LLMs, deren Trefferquote schon bei 10 Wörtern auf 60%, bei 40 unter 20% fällt. Offensichtlich fällt es den Modelle schwer, unwesentliche Informationen wegzufiltern.

Bei Ford hatte man sich auch gedacht, dass man sich durch KI hunderte Arbeiter sparen könnte und sie einfach mal entlassen. Nachdem die Qualität massiv absackte, nachdem man blind auf automatisierter KI-getriebener Inspektionssysteme vertraute hat, hat man nun doch einsehen, dass Menschen im Beurteilen komplexer Problemstellungen doch noch die Nase vorn haben. So wurden doch wieder die Spezialisten zurückgeholt. Bald verbessert sich die Qualität wieder. Erfahrung schlägt dann doch reines Faktenwissen. Fragt sich nur, ob man für eine Firma arbeiten möchte, die so respektlos mit seinen Mitarbeitenden umgeht.

Sicherheit

Hacker konnten fremde Instagram-Profile übernehmen, in dem sie einfach Metas KI-Chatbot anwiesen, die E-Mail-Adresse des jeweiligen Accounts zu ändern (nämlich in eine, auf die sie Zugriff hatten). Dadurch gelangten sie an den Passwort-Resetcode und voilà: drin.

In der Informatik ist ein Wurm ein Schadprogramm, dass in der Lage sich selbst zu vervielfältigen und auf weitere Rechner zu verbreiten. IT-Forscher haben nun unter Laborbedingungen mit KI einen Wurm erschaffen, der sich durch seine hohe Anpassungsfähigkeit kaum aufhalten lässt.

Die alte Betrugsmasche: Bestehende (Shopping-)Webseiten täuschend echt nachbauen, auf Domänen hosten, die so ähnlich klingen, wie die Original-Domäne und auf Vertipper der Nutzer hoffen (oder auf Suchmaschinen, die die Seite verlinken). Was bisher ziemlich aufwändig war, wird durch KI zum KInderspiel. Zum Schaden der Kundschaft, wenn sie sich dort registriert und ihre Zahlungsdaten eingibt, oder auch schon, wenn sie die Anmeldedaten der Originalseite auf der Fakeseite eingeben (und keinen zweiten Faktor haben).

Gerade in Unternehmen, in denen mit sensiblen (Kunden-)Daten hantiert wird, ist ihre Verarbeitung in externen Clouds ein rechtliches No-Go. Wie man stattdessen ein lokales AI-Agent-Setup mit Ollama, Open WebUI und n8n aufbauen, bei dem die Daten nicht den eigenen Rechner verlassen, zeigt dieser Blogbeitrag. Auf die Hardware-Anforderungen wird auch eingegangen.

Umweltbelastung

Das Tool Claude Carbon schätzt die CO2-Äquivalente, die mutmaßlich in einer Programmier-Session mit Claude Code in der eigenen Entwicklungsumgebung entstehen, ab. Die Berechnungsgrundlage bilden die Anzahl der verwendeten Token sowie die Emissionsfaktoren aus einer Studie zur Inferenz von Sprachmodellen aus 2025, nach der das Sprachmodell Sonnet 1 Mio Input-Tokens 90 Gramm und 1 Mio Output-Tokens 1140 Gramm verursachen (von Anthrophic selbst gibt es leider keine Daten zum Energieverbrauch). Als wichtigste Hebel für die Senkung des Energieverbrauchs haben sich die Wahl des richtigen Modells für die richtige Aufgabe (für einfache Aufgaben reichen auch einfach Modelle), Prompt und Context filtern / komprimieren, um Tokens zu sparen, die MAX_THINKING_TOKENS für das “Erweiterte Denken” lassen sich ohne Qualitätsverluste einschränken.

Der Bericht “Der KI-Klimaschwindel: Hinter den Kulissen des Big-Tech-Greenwashings” von AlgorithmWatch zeigt, dass die Klima-Versprechen von Big-Tech nicht eingelöst werden können. Während die negativen Auswirkungen klar nachweisbar sind und zudem weiter zunehmen, stehen die vermeintlichen Belege für den “Netto-Klimanutzens” von KI auf tönerne Füßen und entpuppen sich oftmals als Versprechung, Behauptungen und Wunschdenken. Wie ein Spielsüchtiger wird auf die immer nächste Runde gehofft, in der man den großen Gewinn macht, der dann den bisherigen Schuldenberg auf einmal mehr als begleicht.

Aber genau dieser “Schuldenberg” wächst immer weiter: so dürften KI-Rechenzentren 2030 einen Wasserverbrauch von 1,3 Milliarden Menschen und sowie mit 945 Terawattstunden (TWh) fast drei Prozent der globalen Stromnutzung ausmachen.

Verständlich also, dass der Protests gegen solchen Rechenzentren und KI inzwischen immer lauter wird. Vor allem in den USA sind Informationsseiten wie AI Resist List, Data Center Watch und Data Center Tracker entstanden.

Alternativen

Bei vielen Suchmaschinen werden standardmäßig für jede Suchanfrage ungefragt auch eine KI-Antwort sowie KI-Bilder generiert. Wer das explizit nicht möchte, hat bei noai.duckduckgo.com genau solche Funktionen ausgeschaltet. Laut eigener Aussage von DuckDuckGo sind die Aufrufe dieser KI-freien Suchen in den letzten Wochen deutlich gestiegen.

Mit Private Access Control Tokens (PACT) soll eine Technik entwickelt werden, mit der Browser gegenüber den angesurften Internetseiten ausweisen sollen, ob Menschen oder autorisierte KI-Agenten den Netzwerkverkehr verantworten werden.

Kapitalismus

Der US-Senator Bernie Sanders möchte mit dem “American A.I. Sovereign Wealth Fund Act” ein Gesetz einbringen, nachdem die KI-Unternehmen eine einmalige Steuer von 50 Prozent auf ihre Aktien zahlen. Das so abgeschöpfte Geld soll in einen Staatsfonds fließen, und von dort direkt als Dividende an die Bevölkerung, um so Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnraum zu finanzieren. Da selbst Sam Altman zugibt, dass KI auf dem “kollektiven Wissen der Menschheit” basiert, sollte entsprechend eben diese Öffentlichkeit fair an denen damit erzielten Gewinnen beteiligt werden.

Während KI-Firmen im zivilen Bereich immer noch nach geeigneten Geschäftsmodellen suchen, ist KI für Militär und Geheimdienste längst zur strategischen Schlüsseltechnologie aufgestiegen. So soll der Markt allein in diesem Bereich in den USA bis 2028 einen Volumen von 39 Milliarden US-Dollar erreichen. Wie die Angriffe auf die AWS-Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain aber auch zeigen, macht das die Rechenzentren selbst auch zum Ziel des gegnerischen Militärs.

Für das Trainieren ihrer Modelle brauchen die KI-Konzerne immer mehr Daten-Futter, das sie zusätzlich in sich hineingierschlunden können. Es verdichten sich die Anzeichen, dass sie dazu palettenweise Antiquariate leer kaufen. Nach der Digitalisierung wandern die Bücher direkt in die Tonne. Es wird vermutet, dass über den Umweg des physischen Buchs, die Firmen sich auf das Fair-Use-Prinzip im US-Urheberrecht berufen können, während beim direkten Kopieren digitaler Inhalte Schadensersatzklagen drohen.

Gartner prognostiziert, dass der Umstand, das KI-Chat-Anbieter zunehmend auf verbrauchsbasierte Abrechnungsmodelle umstellen, sowie der steigende Tokenverbrauch generell, spätestens 2028 dazu führen, dass die Einsparung von Entwickler-Stellen (und damit deren Löhne) durch die durch die verbliebenen Entwickler verursachten zusätzlichen Kosten wieder mehr als aufgefressen werden.

Sascha Pallenberg hat einige große Zahlen und anschauliche Grafiken in seinem Blogbeitrag zusammengetragen, die zeigen der Ausmaß der Gigantomanie der ganzen KI-Wette laufen. So geben die großen Vier allein dieses Jahr 650 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren und Hardware aus. 92 Prozent des bezifferten Wirtschaftswachstums in den USA beruhen auf Investitionen im KI-Bereich. Nur was nützt eine gestiegene Produktivität, durch die z.B. 80% mehr Mobile-Apps veröffentlicht werden, die am Ende aber niemand nutzt, weil der Tag weiterhin nur 24 Stunden hat, und damit keine Einnahmen generieren. Leider hat der Fetisch für große und wachsende Zahlen auch realwirtschaftliche Folgen.

Die Rechenzentren-Lobby schürt derweil in Europa mit Zahlen und Rankings Ängste und fordert, die Klimaziele zu Gunsten von KI zu vernachlässigen, weil man ja sonst hinter den USA und China zurückfallen und dadurch von diesen auf lange Zeit abhängig wäre.

Gerichtsurteile

Ein Urteil des Landgerichts München I macht Google für Falschaussagen in seinen generierten KI-Zusammenfassungen verantwortlich und damit auch haftbar. Im konkreten Fall wurden in einer solchen generierten Zusammenfassung als Teil der Antwort auf eine Suchanfrage einem Verlag unlautere Geschäftspraktiken unterstellt, für die sich in den verlinkten Quellen aber keine Belege fanden.

In einem anderen Fall wurde in einem Bagatellfall die Verteidigung komplett durch eine KI-gestützte Kanzlei geführt. In den USA musste dagegen eine Bundesrichterin einen Prozess abbrechen, nachdem beide Streitparteien Gerichtsurteile als Belege angeführt hatten, die sich als herbeihalluziniert herausstellten.

Verantwortung

KI als Effizienzmaschine folgt der falschen Vorstellung, dass es für jedes Problem immer die eine “korrekte” Lösung gebe, die man nur mit genügend Rechenpower automatisiert ermitteln müsse. Demokratische Aushandlungsprozesse scheinen in diesem Verständnis als lästige Bremse. Dabei geht es gerade in solchen Prozessen darum, die Bedürfnisse, Ziele und Werte von Betroffenen abzuwägen, und dafür zu sorgen, dass sich eben Macht und Einfluss nicht bei einzelnen Gruppen konzentriert und Menschen vor systematischer Benachteiligung geschützt werden. Diese Teilhabe erzeugt Reibung und ist dauert seine Zeit, sichert aber langfristig, dass alle weiter friedlich zusammenleben können, weil sich alle als gesehen und respektiert fühlen können.

Hinter jeder Entscheidung steht am Ende ein Mensch, auch hinter der Entscheidung, das Entscheiden der KI zu überlassen. Aber es ist eben auch bequem, die persönliche Verantwortung von sich zu schieben, und mit dem Finger auf Computer, Algorithmen und KI zeigen zu können.

Recap

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