Communication breakdown – Out in the Open November 2022

05.12.2022 von Klara Juhl (Code for Osnabrück), Jörg Reichert (Code for Leipzig), et al.

Forum Offene Stadt

Am 17. und 18. November veranstalteten die Körber-Stiftung und Code for Hamburg das Forum Offene Stadt. Auf dem Programm standen Paneldiskussionen, Workshops und Vorträge zu den Themen Civic Tech, Partizipation und Open Data. Das Team der Open Data Informationsstelle (ODIS) aus Berlin trat die Reise in die Hansestadt an und zeigt sich im Rückblick vor allem beeindruckt von der Eröffnung des Forums: Die taiwanische Digitalministerin Audrey Tang berichtete per Videobotschaft von einer engagierten Tech-Szene in dem Inselstaat, die sich Herausforderungen wie dem Klimawandel und der Bedrohung durch China entschlossen entgegenstelle. Onlinediskussionsplattformen (z. B. vTaiwan und Polis) trügen in Taiwan zu einer starken Partizipationskultur bei und die Regierung zeige sich offen gegenüber zivilgesellschaftlichem Engagement.

Im Vergleich kann die Bundesrepublik kaum glänzen. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde kritisert, was (leider) schon seit Jahren kritisiert wird: Eine zu späte Einbeziehung der Gesellschaft bei Digitalprojekten, das fehlende Vertrauen in das zivile Engagement und eine mangelhafte Fehlerkultur. In einer Fishbowl, einer partizipativen Form der Diskussionsführung, kam der Wunsch nach mehr Begegnungen zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung auf, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Und es läuft ja auch nicht alles schlecht, wie einige der folgendenden Positivbeispiele zeigen:

Informationsportal für Wohnungslose

Das in der Testphase befindliche Portal Straßenlotse unterstützt Wohnungslose in Hamburg dabei, für sie wichtige Einrichtungen und Angebote zu finden.

Smart-City mit breiter Bürgerbeteiligung

Sowohl die Stadt Freiburg im Breisgau als auch das CityLAB Berlin verfolgen Smart-City-Strategien, die auf eine direkte Partizipation der Gesellschaft setzen. In Freiburg konnten sich die Bürger:innen online in Form von Ideen und Vorschlägen beteiligen; die Berliner Strategie beinhaltet ein Stadtgremium mit direkter Beteiligung von Bürger:innen.

Ein Stadtnavi für Herrenberg

Wie möglichst umweltfreundlich von A nach B kommen und dabei alle regionalen Verbindungen im Blick haben? Die Stadtnavi-App aus Herrenberg ist genau für diese Fragestellung entwickelt worden. Da sie als Open-Source-Projekt veröffentlicht wurde, können andere Kommunen die Anwendung “unter ihrem Branding (…) testen und (…) etablieren” (Stadtnavi-Webseite).

Warum (offene) Energiedaten gerade wichtig sind

Europa steckt in einer tiefen Energiekrise. Infolge eines komplexen Zusammenspiels von mehreren aktuellen Ereignissen sind die Preise für Energie stark gestiegen. Können offene Energiedaten helfen? Auf dem Datenportal der EU ist ein Artikel erschienen, der sagt: Ja, offene Daten können einen Weg durch die Krise aufzeigen. Sie würden nicht nur Entscheidungsträgern dabei helfen, die richtigen Entscheidungen an den richtigen Stellen zu treffen. Offene Energiedaten könnten auch bei der Entwicklug von Dienstleistungen, die den Kunden ihre Verbrauchsmuster zeigen, und beim Umstieg auf nachhaltigere Energieträger unterstützen. Der Artikel nennt zudem einige offene Datensätze, z. B. Informationen des Schweizer Open Data-Portals über die Nutzung von E-Ladestationen in Basel.

Passend dazu: Der Bayerische Rundfunk veröffentlichte eine Datenanalyse zu erneuerbaren Energien in Bayern. Zahlreiche Grafiken und Karten beschäftigen sich z. B. mit dem Erzeugungspotenzial von Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder mit der Zusammensetzung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Es weihnachtet sehr …

Schon steht die Adventszeit vor der Tür - und mit ihr der Besuch auf einem Weihnachtsmarkt. Gerade in Großstädten haben die Besucher:innen oft die Qual der Wahl: Wohin? Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe veröffentlicht jedes Jahr einen offenen Datensatz zu den Berliner Weihnachtsmärkten. Die ODIS hat auf dieser Datengrundlage einen schön gestalteten Weihnachtsmarktfinder gebaut (in dem es sogar schneit!). Auch das Lab von Code for Leipzig hat die Karte übernommen und für die eigene Stadt angepasst. Gäbe es solche Marktdaten in einem standardisierten Format deutschlandweit, könnte man überlegen, die Anwendung zentral zu hosten, ähnlich dem Ansatz von Wo ist Markt?. Leider ist das nicht der Fall!

OpenData-Adventskalender

Auf dem Schweizer Twitter-Profil Open Data Advent Calendar wird im Dezember jeden Tag ein offener Datensatz vorgestellt. Das OpenData-Portal Schleswig-Holstein beschenkt uns in seinem Adventskalender ebenfalls bei jedem täglich geöffneten Türchen mit neuen Datensätzen.

Offene Daten zu PKW und Parkplätzen

In Deutschland steigt die Zahl der PKW pro Einwohner - trotz Klimakrise und auch in Städten mit gut ausgebautem ÖPNV. Auf ZEIT ONLINE lassen sich die Entwicklungen einzelner Regionen miteinander vergleichen. Hinweis: Der Artikel versteckt sich hinter einer Paywall.

Dabei beanspruchen Autos natürlich auch dann Platz, wenn sie gerade nicht gefahren werden: Gerade in Großstädten gibt es oft tausende öffentliche Parkplätze. Die Initiative Parkplatz Transform hat sich dem Berliner S-Bahn-Ring gewidmet und die dortigen Parkplätze erfasst. @hnshck hat anschließend eine Auswertung der Parkplatzdaten veröffentlicht: Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, wo die Parkflächen besonders viel Raum einnehmen. Der Tagesspiegel hat auf dieser Datenbasis eine interaktive Karte erstellt. Das GitHub-Repo zur Datenauswertung findet sich hier. Auch die Gruppe “Verkehrswende” arbeitet an einer Abbildung der Berliner Parkplätze, wobei diese nicht selbst gezählt, sondern sondern aus OpenStreetMap-Daten abgeleitet werden. Auf der vergangenen Bits & Bäume 2022 gab es dazu einen Vortrag mit dem Titel Parkplatzzählung und Parkraumanalysen mit OpenStreetMap von Tobias Jordans, Alex Seidel and Lars Lingner..

Auch zum Thema Mobilitätsdaten: Der FOSSGIS e.V. teilt seine ersten Einschätzungen zur Stakeholderbeteiligung bei der Festlegung von Eckpunkten eines Mobilitätsdatengesetzes.

Wassersparen ja, aber auch für Großkonzerne?

Bereits im Oktober haben wir den Grundwasser-Atlas von CORRECTIV vorgestellt. Hintergrund war u. a. die Wasserknappheit des vergangenen Sommers. Bürger:innen wurden vermehrt zum Wassersparen aufgerufen. Doch wie sieht es eigentlich mit Großkonzernen aus, die viele Millionen Kubikmeter Wasser vebrauchen? Den Unternehmen stehen oftmals langfristig geschlossene Nutzungsrechte zu, die nicht in absehbarer Zukunft auslaufen. CORRECTIV hat sich einmal mehr an den wenig auskunftsfreudigen Behörden und Unternehmen die Zähne ausgebissen und die größten Wassernutzer in Deutschland identifiziert.

Climate Trace

Mit dem neuen Tool ClimateTrace lassen sich klimaschädliche Emissionen von ihren Quellen aus in Echtzeit nachverfolgen, wie Jörg Schieb berichtet. Die zu Grunde liegenden Daten lassen sich auch frei als CSVs herunterladen.

Ulm

Wie es zur Eskalation der letzten 12 Monate rund ums verschwoerhaus kam, kann man nun in einem ausführlichen Blogpost nachlesen. Als weiterer Rückschlag steht nun nach einer durch einen Gemeinderat-Beschluss versagten Weiterförderung auch das Jugend Hackt Lab vor dem Aus.

Lage der Nation

Ein Nebensatz in der Folge 313 des Lage der Nation Podcasts sorgte bei uns im Code for Germany Netzwerk für Irritation (möglicherweise wurden wir aber auch einfach mit Tech4Germany verwechselt?) - jedenfalls gibt es nun von uns auf Twitter eine Klarstellung. Der Lage der Nation Podcast beruft sich in ihrer Kurzantwort über Twitter darauf, die Einschätzung nur (unkritisch?) wiedergegeben zu haben.

So berichtet Nora Titz in ihrem Beitrag auf Netzpolitik wie, ganz entgegen dem Hackathon-Klischee, innerhalb von drei Jahren ehrenamtlich ein Datenstandard für Offene Parlamente, OParl, erarbeitet wurde. Ratsinformationssystem-Anbieter haben diesen aber seitdem zum Teil nur stiefmütterlich implementiert. Dagegen würden an die freiwilligen Ersteller des Standards Erwartungen (z.B. zur Reaktionszeiten auf Anfragen) wie an einen kommerziellen IT-Dienstleister gestellt.

Im jeden Fall sind wir nicht die verlängerte Werkbank der öffentlichen Verwaltung (bzw. deren IT-Dienstleister). Macht euren Job!

Open Data-Referent Stefan Kaufmann fasst es treffend zusammen.

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